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„Verschollen auf unbekanntem Grunde, also lagen einst seine Talente“, sprach Neptun. „An schwere Anker geschmiedet drohte morsch und faul zu werden, was die Natur als Mitgift ihm in die Wiege gelegt. Doch nun barg ich die Fregatte, daß er sein Schiff betreten möge, das über Äonen ihm vorbestimmt war. Über weite Meere, dem Albatros zum Gruße, segelt er nun hinaus, der Ruhm der Ewigkeit sein Werk ereile, der freie Geist von seiner Heraufkunft künde. Und während die Welt am Bissen der Gegenwart würgt, schaukelt er in seine Ferne, für Ruhm und Ehre abseits lärmender Wege.“

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"Nun fischte Neptun deine Talente aus finstrem Grunde endloser Meere", sprach Mars. "Wohin willst du nun segeln, Blonder? Zum nächsten Hafen, deinem Talente die breite Bühne bieten, der Menge Lange-weile gleichsam der Vorschlaghammer sein? Man wird dich begrüßen gleich dem Hühnerzüchter, dessen Körbe voll schlachtfrischem Federvieh gefräßige Mäuler erquicken. Denen ist es einerlei, welcher Sänger ihnen das breite Maul bietet, wenn es nur gewiß ist, das Joch ihrer jämmerlichen Existenz für Augenblicke aus der Erinnerung zu werfen. Man muß ihre Rasenmäher überbieten können, um unter ihnen Gehör zu finden, rackernder Turbo an den fünf Strängen der Gitarre sein. Ihre Knochen knacken zu rudimentären Klängen, stampfenden Rhythmen, wo die Wänste vibrieren, wie das Gebiß auf rotie-renden Kolben, Ohren, die zu Trichtern sich weiten und danach schreien taub gebrüllt zu werden.  Kannst du ihnen dergleichen bieten Blonder oder glaubst du mit zarten Tönen die Hornhaut auf ihren Trommelfellen zu erweichen? Sie würden dich hinein locken in ihre brüllenden Schaubuden, dein Maul mit Papier stopfen, das sie Geld nennen. Für die wärst du bloß die musikalische Keule, der Langenweile mit drei Akkorden eins vor den Latz zu setzen . . .

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"Auf deinen Wegen wird man dir schwerlich Steine in den Weg türmen", lachte Merkur. "Sie müßten die Meere aussaufen, dich wieder unter dem Fußvolk zu sehen."
 

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„Wo immer du einkehrst", sprach Saturn zu dem Blonden, „kehre sogleich aus dem Saal, was schmat-zend die krächzenden Raben von Bäumen und Büschen schreckt, am Biertisch gurgelt und sabbert, bis des Magens brüllendes Gebölk die Revolution verkündet, das abgefahrene Gesöff dem Brauherrn um Nase und Ohren fliegt. Nicht ist es dein Los, mit ernster Musik das saufende Bündel um das hart erkämpfte Vakuum zu prellen, das unter jeder Hirnschale sein Heimrecht erstritten hat. Mögen sie mit ihren Nasen ihr Orakel aus dem Bierschaum heben, ihre unlösbaren Rätsel, welche am Pflog der Dummheit wie Kühe grasen, beim Kartoffelschälen das Fett aus den Lenden pressen (Grasende Rätsel, die sie ihre Weiber heißen) oder willst du die hohlen Nüsse knacken, damit auch der Letzte erfährt, was in seinen Hirnschläuchen zirkuliert."
Die Götter lachten aus allen Wolken und selbst Medusa konnte sich ihres Gelächters nicht erwehren, worauf die zwölf Apostel sprachen: "Jetzt können wir einen Blick zurück nach ihr wagen, ohne fürchten zu müssen, zu Pflastersteinen klein geklopft zu werden."
Endlich brachte es Merkur wieder zu Wort und während die Götter in ihrem Wolkensitze tobten, rief er ihnen entgegen: „Wollt ihr dem stillen Freund der Musen vollends Wein, Weib und Gesang verleiden? Trieb Neptun seine Fregatte nicht hin zu diesem Hafen, damit er uns Götter nach Herzenslust aus dem Gedächtnis streichen kann. Gönnt ihm ein Faß unter den Zweibeinigen, bis er den Vierbeinigen wieder näher steht. Aus allen Poren mögen bacchantische Säfte aus ihm schäumen, pointierter Brodem aus seinem Schädel dampfen, bis das Bündel Menschentum dem Affen wieder die Lesung halten kann und dieser verwundert fragt: wer gab den tumben Gehirnen soviel Kredit?“  „Die Fanfaren zur Attacke!“ rief Zeus. „Winkt ihn hinein in die Schänke. Ich will die Affen toben sehen.“

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amadeus Wellenstein
Das Schlaflied

     „Über mein Spiel vergaß er Wein und Muse", sprach die Violinistin, „in Bacchus Lauben den Seligen der Nacht zum Gruße. Was liegt am Rest der Mannsgestelle, deren starres Stieren alleine meiner Landschaft gilt. Wo die träumen, genügt ein Vieh ihre Begierden zu stillen. Unzählige Klauen traten schon über die Schwelle der Schänke: saufen, schmatzen, wanken ins Delirium, bis nur noch Schlächter und Schlachtschüssel bei ihrem Anblick im Gedächtnis bleiben. Als einer aus ihren Reihen seinen Antrag um meine Gunst abstotterte erwiderte ich: Hochwürden wird schwerlich Schweinehack um ein Ja-Wort bitten. Durch welchen Fleischwolf hat man ihn getrieben oder ist das Hack das er vorstellt bloß Maskerade? Lasse er seine Visage an der Garderobe hängen, dann können wir über das Tauschen der Ringe reden . . .

Die Welt ist zur Schänke depressiver Desaster geworden, wo ein jeder nach dem Esel schreit, sein kümmerliches Joch ihm auf den Rücken zu binden. Man läßt sich schleifen, ist man zum Kriechen doch schon zu faul geworden. Ehemals fand man sie noch unter Würmern. Jetzt wollen sie nur noch verfaulen, um aus ihrer Bequemlichkeit nicht geschreckt zu werden. —
Würden sie an den Tafeln finden, was in ihren Gehirnen die Runde macht, da knurrten Milliarden Magengruben, bis die barmherzigen Keiler aus aller Herren Wälder ihren Bachen zuriefen: ihr fetten Säue! Erbarmt euch dem zweibeinigen Geschlechte. Seid ihnen die ersehnten Wurst-pakete.

Wie, sollten die Götter den Blonden hierher gewunken haben, dem lärmenden Schmatzen den herben Kontrast zu liefern? Ist das die Pointe, mit drei Bouteillen sich über den Acker der Realität zu saufen, nur weil man die wackren Gesellen nicht zu finden vermag, welche nach neuen Horizonten den Bogen der Sehnsucht spannen? — Wer wollte dem Blonden die Pfeile zu seinem Ziele reichen?  Die Prallen, die hier die Bänke nieder drücken, brüllen sich die Gurgeln wund, die nächsten Fässer zu besetzen, den Druck des Vakuums sich aus dem Schädel zu zechen. Was wunder, wenn ich die Brut hinaus werfen mußte, um Stille für die Musik zu schaffen. Stille — das ist ihnen Tortur und Aderlaß. War's nicht beim letzten Konzerte, daß sie inmitten der Fermate dem Wurstfabrikanten auf''s Maul lurten, mit dem Wunsche, die fette Kante möge dem Orchester eins über den Kamm husten. Kaum, daß sie mit vorlauten Blanken die Polster erschreckten, wütete sogleich der Applaus grobschlächtiger Pranken. Nicht dem Dirigenten galt der wüste Jubel. Es war der Vorhuster, der zu neuer Lektion das Publikum begrüßte . . .
Was wird den Blonden erwarten, sobald seine Talente erwachen? Ich fürchte der Instinkt der Selbsterhaltung wird ihm das Denkmal des einsamen Spartaners deuten.“

Aus dem literarischen Hauptwerk "Triumph des Lebens"

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