
WERKE EINES UNZEITGEMÄSSEN
Warum Amadeus?
Es war an der Zeit, den Namen Amadeus aus dem Pfuhl der Unterhaltungsbrühe zu ziehen, wo bierschellige Jecken das Käseloch ihrer Hirnsubstanz mit Amadeus zu deko-rieren wünschen. Amadeus nur noch die zappelnde Unterhaltungs-Blase aus der Lager-haltung der Käseanstalt, wobei man mit Verwunderung fragt, wo der Käse geblieben ist, von dessen Löchern man sich heute unterhalten läßt. Man lasse sie aufmarschieren diese Amadeusse der neueren Musik – und Unterhaltungs-Fabriken. Wer vermöchte es, mit symphonischen Werken diesen Namen zu rechtfertigen? Das Leergut aus den Un-terhaltungsbuden des geistigen Armuts-Destrikts, wo man mit Stolz die geistige Absti-nenz durch hochgeistige Getränke zu kompensieren versucht und dies das höhere Leben nennt? . . .
Amadeus – Wer diesen Namen führt, von dem sollte man erwarten durch klassische Werke ihn in Ehren zu halten. – Amadeus ist ein Versprechen, ein Gelöbnis und ein Bekenntnis. Amadeus – das Band, das den musischen Geist mit dem ewig Schöpfe-rischen verknüpft. Der große Verzicht auf alles, was modern und zeitgemäß von Erfolg zu Erfolg sich brüllt. Amadeus, als die Brücke zur alten Welt, welche Neptun errichtete als er mir sprach: „Dorthin oder nirgendwohin.“
In diesem Sinne ergriff ich den Namen Amadeus, zum Zeichen ein Erbe dieser Zeit zu sein, welcher in Wort und Musik den Beweis antritt, nicht zu jenen zu gehören, deren geistige Vakanz nach auffälligen Etiketten sucht, die Nullität zu verbergen, die aus allen Winkeln der Visage grinst, in der Hoffnung, daß man auf Grund der Etikette auf die Per-son schließen möge. (Der Fall des Dissonanzenwirts Karl Amadeus Hartmann)
Ein Komponist, der sich Amadeus nennt, sollte sich aller modernen und zeitgemäßen Richtungen widersetzen, mehr noch: er sollte taub dafür sein. Das ist das Mindeste, was man erwarten kann. Hier kein Kind seiner Zeit sein wollen ist nachgerade die Bedin-gung, um überhaupt das Recht zu haben, sich Amadeus zu nennen. Klassische Werke sollen diesen Namen rechtfertigen, als der Gegensatz zu allem, was sich zeitgenössische Musik nennt. Sich dem Geschmack seiner Zeit widersetzen, das heißt hier erfolgreich sein! Und Erfolg ist immer ein Sieg. In diesem Sinne bin ich vielleicht der erfolgreichste Komponist den es gegenwärtig gibt. Man möge mir einen Lebenden nennen, der sich mit klassischen Werken seiner Zeit widersetzt, wie ich es seit Jahrzehnten praktiziere . . .
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