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"Mit welchem Recht wollen sie deine Musik hören?
Was hörst du von ihnen? 
 "

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Die stolze Violinistin
Portrait Amadeus Wellenstein

 

Mit meinen Partituren werden die Kulturträchtigen wenig im Sinn haben“, sprach Amadeus, „und dennoch wünschen sie, dass ich ihnen Kurzweil biete und ein Spektakel ihren Ohren bereite.“ Die Violinistin antwortete: „Musst du mit deiner Musik für eine Anstellung dich mühen? — Nein. Musst du dein Brot damit erwerben? — Nein. Bist du einem König ein Werk schuldig?  — Nein. Mit welchem Recht wollen sie deine Werke hören? Was hörst du von ihnen? — Du hörst ihre Rasenmäher brüllen, ihre Weiber toben, wenn dem Hauswart wieder die Lesung gehalten wird. Du hörst unter ihnen nur wüstes Getöse unbarmherziger Aspekte. Gehe zum Fleischer und frage: dürfte ich um eine Probe ihrer Dampfwürste bitten. Wenn du Glück hast, lässt er dich eine probieren. Also lasse sie einen Takt hören. Besser jedoch, du gibst ihnen nichts und hängst ein paar Würste an ihre Ohren.“

Amadeus lachte und sprach: „Gesetzt, ich hielte fünfzehn Takte meiner besten Musik in der Rechten und fünfzehn Dampfwürste in der Linken, so steht es außer Zweifel, welche Hand sie zuerst schütteln würden. Wem dieses Spiel zur Genüge helle geworden, wird seinen Witz an jede Erwartung hängen, zumal das Gaudium noch jeder Enttäuschung den Abgang verspricht."

„Was gehen uns die Würste der Hanswürste an“, sprach die Violinistin. „Willst du den Bucklichten mit deinen Werken das Kreuz gerade richten, ihre gedunsenen Seelen zu deinen Rythmen zum Aderlass bitten? Allein deine Sprache lässt sie nach dem Stempel rufen, der ihnen den Begriff  ‚Bankrott’ auf die Stirntafel drückt. Was willst du unter denen, die zuerst nach deinen Hosen luren, von welchem Schneider du beliefert wirst. Unter ihnen fällt dein heroisches Werk erst dann ins Gewicht, wenn sie in den Unterhaltungs-Blättern lesen, Because hätte auf die Weihe des Palastes ihro Exzellenz dem Kom-ponisten, ein Zehn-Gänge-Menü im Louvre in Aussicht gestellt. Die betrachten dein heroisches Werk bloss als Repräsentantions-Kulisse, ob einem damit der Tisch gut gedeckt werde und wenn man ihnen von geweihter Andacht redet, denken sie an die Rabattmarken, welche sie beim letzten Osterfest an den Opferstock der Kathedrale klebten. Wolltest du vor denen deine Musik laut werden lassen, müsstest du zuvörderst dreißig Sickergruben ausheben, um zu der Vorstellung zu gelangen, was dich zu deinem Konzerte erwartet. —

Willst du zum Sickern vorbestimmtes Leben die Langenweile aus dem Schädel pumpen, der Krätze ‚Eintönigkeit’ linderndes Balsam sein? Nein! — Deine Musik den Freunden und Freundinnen der Musen, den Geweihten und Eingeweihten in seligen Stunden oder willst du auch Blinden den steilen Weg der Gämsen leuchten? Willst du der Sonne gleichen, die nicht fragt, wen sie am Strand der feisten Wänste bis zur Röte dampfen lässt? Bist du der Mensch ohne Pathos, der den Betrüger wie den Geprellten mit gleicher Münze bedient? Bist du der virtuose Quacksalber, dass sie zum Schinden schwarz-weißer Tasten den Wein des Lebens zu schlürfen glauben, der virtuose Alchemist, der mit klingender Gabel an morsche Särge rührt, knöchernen Händen Leben aus einer Prise Schnupftabak zu spenden? — Dann geh nur hinaus und übe dich in der Tugend, Perlen vor die Menschen zu werfen . . .."

 

Da draußen klimpern sie bloß für den Rest, den sie mit hundert Verbeugungen Publikum heißen. Willst du nach deren Geschmäckern wie einen Hund dich abrichten lassen? Willst du Grimassen studieren, welche die abgezehrten Frauenzimmer in brünstige Erwartung stürzen, ihre beschlagenen Brillen zu jedem Akkord wischen, damit keine Verrenkung deiner Lippen ihrem Auge entwischt? Willst du der virtuose Bettvorleger ihrer gedunsenen Bettnässer sein, der Aperitif zu anstehender Mast, wo das Konzert den trüben Mägen Besänftigung verspricht? — Mancher versteckte die Grube seiner Empfindung hinter glänzenden Gewändern und doch erroch der Hund, wo seine Impression zu Hause ist. Hübsch geputzt lauern sie nun in den Sitzen der Säle, erwarten zum Konzerte, der Virtuose möge das Elixier ihnen reichen, das frische Ohren aus ihren Schädeln wachsen lässt. So spende ihnen diese Ohren, auf dass die alten, hängenden Lappen, welche gleich zerknitterten Servietten nur noch zum Abwischen betrenzter Kinnladen benützt werden, ihre ursprüngliche Bestimmung wieder erfahren mögen . . ."

 

„Düstere Worte“, sprach Amadeus, „für den, der sein Publikum begeistern wollte. Nein, ich bin dem Pub-likum nicht gram. War es nicht Kunst und Musik, die zu entlegensten Triften mich führten, worüber ich gänzlich mein Publikum aus dem Auge verlor? — Nun sitze ich in meiner Höhe und schaukle auf mächtigem Aste, bis mir ein Vogel die Feder reicht, des Tages Laune in Musik zu setzen . . ."
 

Aus dem literarischen Hauptwerk "Triumph des Lebens" von Amadeus Wellenstein

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