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Modenschau bei Manfred Schneider

Wo immer nach meiner Musik verlangt wurde, sei es auf Modenschauen, bei Ausstellungen, Beerdigungen oder privaten Festlichkeiten, über meine jugendlichen Launen, bloß melancholisch in a-moll mich zu verirren, kam ich selten hinaus. Und dennoch — das Publikum in den Piano-Bars war außer sich und geizte nicht in der Begeisterung. Man warf Rosen auf den offenen Flügel, einigen Damen kamen die Tränen, die Japaner tobten; niemand vermisste ein Thema oder gar die klassische Form. Im Gegenteil: das Formlose entzückte, dies höchst tonale Ausschweifen, Umherschweifen, Ausweichen machte mich interessant. Es war überhaupt nicht notwendig, noch etwas hinzu-zulernen. Aus dem Chaos harmonischer Tongebilde die Gemüter auf Top zu bringen — wer wollte es mir verübeln, wenn ich bei dieser Art von Musik es hätte bewenden lassen. Welch geruhsames Leben wäre mir beschieden gewesen, mit dem Wenigen, das den meisten immerhin genügte, zufrieden zwischen den Bäumen zu schaukeln, mit Musik die harmonisch-ruhige Kugel zu schieben, sentimentale Eskapaden zur Glücks-Frisur zu toupieren, der Tröster in Moll einsamer Hausfrauen sein . . .
Man unterschätze dergleichen nicht: diese Art von Unterhaltung wird heute gut bezahlt. Das Sentimentale ist nachgerade der Trumpf aller Musik-Fabriken. Mit dem besten Gewissen hätte ich den melancholischen Pianisten auf die nächsten Jahrzehnte vorstellen können.

amadeus Wellenstein
Ballade con sentimente (Ausschnitt)

Auftritt in Harry's New-York-Bar

Der Lead-Gitarrist — „Früher waren sie die Könige“, sprach die Bedienstete. „Heute prügelt man sie, wie der König seine Knechte.“
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Der goldene Schuh — Als nach dem Verbleiben des Dirigenten man sich erkundigte, hob die Trinkfreudige den Taktstock und sprach: „Er bat an der Garderobe, ob an meiner Seite er sich ausseufzen könne und seufze in der Tat, als mein robuster, goldner Schuh den Krummwuchs durch das Fenster trat.“ 
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Brief einer Zuhörerin — (Auszug) Jeder Unterhaltungsmusiker würde dort weiter machen, wo ich unzufrieden Ihren melancholischen Einlagen lausche. Allein der Gedanke Sie als rührseligen Musiker gefeiert zu sehen, Ihr Talent auf wenige Akkorde beschränkt, mit schmachtenden Romanzen sich gefällig zu erweisen, mit einem Wort Sklave der Laune eines Feierabend-Publikum zu sein, reichte hin, Sie als verunglückten Musiker zu betrachten. Ich könnte mir nur schwer vor Augen führen, daß Sie, mit ausgefeilter, exzellenter Sprache bei dieser Art Unterhaltung es bewenden lassen, gleich den beliebten Bühnen-Barden stets die gleiche Revue vom Leder ziehen, den Hanswurst des Sentimentalen präsentieren, der bei jedem Einfall überlegen muß, ob er beim Publikum geneigte Ohren findet.
Allein als Sprungbrett zu höherem Schaffen erfährt Ihre gegenwärtige Musik ihre Rechtfertigung. Als erste Stufe will ich sie auch verstanden haben. Das ich mich gegen sie wende, ist mein Wort an den anspruchsvollen Musiker in Ihnen, welcher gleichsam verhindern sollte, auf erster Stufe das erreichte Ziel zu sehen . . .

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