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Ligeti Depressions Stüberl.jpg

Ligeti, der Mann aus dem unlustigen Depressions-Stüberl. Ein Nihilist par exelence, dessen einzige Kunst darin bestand, jeder erfreulichen Wendung in der Musik beharrlich aus dem Weg zu gehen. Hierin war er konsequent bis der Irrsinn ihn zu seinem Leibeigenen erklärte. Als dieser Leibeigene wurde er geehrt, denn die Welt war derart irre geworden, daß nur diejenigen Komponisten Preise erhielten, die diesen Irrsinn mit neuen Werken zu überbieten vermochten.

Hören wir aber, was Ligeti über die Orgel zu sagen hat. Er schreibt: „Dieses Instrument, mit seiner Schwerfälligkeit, Steifheit, Eckigkeit, gleicht einer riesigen Prothese. Es reizte mich herauszufinden, wie man mit dieser Prothese von neuem gehen lernen kann.“ Mit anderen Worten: Orgelmusik ist Prothesenmusik ist Krüppelmusik, Johann Sebastian Bach, als der Eifrigste unter den Krüppeln, die über die Jahrhunderte mit dieser „Prothese“ sich mühten.
Ligeti der Erlöser und Befreier, schafft nun die Krüppel-Tradition der alten Meister ab, um herauszufinden, ob mit der Krücke auch zeitgenössisch sich gehen lernen läßt. Er glaubt, die Orgel müsse von Prothesen-Komponisten wie Bach, Pachelbel, Kindermann entlastet werden, um frei im Raum sich präsentieren zu können.
Über sein befreiendes Werk schreibt er: „Mir schwebte gleichsam eine amorphe (gestaltlose) Musik vor, in der Einzeltöne keine Funktion haben, hingegen Tonhaufen formgebend sind.“ 

Befreites Schach. - Eis ist am Zug.

Man stelle sich vor Augen, ein Reitknecht wollte das Schachspiel neu erfinden und spräche: „Mir schwebt gleichsam eine gestaltloses Spiel vor, in der Einzelfiguren keine Funktion haben, hingegen Figurenhaufen spielentscheidend sind.“ —  Oder der Wurstverkäufer, dem ein neues Fußballspiel in den Sinn kommt, in dem der Ball und das Tor nicht mehr gebraucht werden. — Oder der Bademeister: neue Sprungdisziplin vom Zehn-Meter-Turm entdeckt! Kein Wasser im Becken notwendig (Ihm schwebte eun Schwimmstil vor, bei dem das Wasser keine Funktion meht hat)

Und nun kommen die Leute und staunen: Der Bademeister ist ein Genie! Er hat das Schwimmen revolutioniert . . . Nicht anders revolutionierte Ligeti das Orgelspiel: keine Note kann mehr falsch klingen, weil es keine Noten mehr gibt . . . 

    Was wissen die zeitgenössischen Komponisten vom Glück der Intuition zu berichten? – Nichts! – Wollte man von diesem Nichts auf ihre Werke schließen, wäre ihr Wert bereits entschieden. Darü-ber ließe sich auch nicht streiten, weil über die Null nicht gestritten werden kann. Dieses Nichts aber, in dessen zeitgenössischem Vakuum sich jedes Halb-hirn austoben kann, soll nun die Seligkeit des Schaf-fenden, das überströmende Glück im Gestalten und Erfinden, die Begeisterung an der Intuition, ersetzen. Der kastrierte Haflinger will als zeitgemäßer Zucht-hengst gelten. Eine neue Generation von Komponi-sten soll vor dem Absurden sich verbeugen, die Null als den heiligen Gral anbeten, um endlich mit dem Fett alles Sinnlosen das Blatt auf dem Ort zu be-streichen.
 

 

 

 

 

Die Notenschrift durch wüstes Gekritzel abgeschafft oder wie im Fall Ligeti, durch seltsam gezeichnete Würmer ersetzt, an deren Wenden und Winden der Organist die Musik erraten soll. Es gibt keinen Takt, kein Tempo, keine Noten: man muß die Würmer zählen, um zu erraten, an welcher Stelle man ist, ob mit der Faust, dem Unterarm oder dem Ellenbogen die Manuale bedient werden. Hier redet die „Musik“ zu Maschinen, Getöse für den Werkzeugkasten, Cluster-Geräusche zum Sandstrahlen der Getriebe-teile. Aber schon jubeln die Vertreter der Baumärkte: Volumina jetzt als Zimmer-Tapete! wo neben dem Rindfleisch der Tapezierer das Quantum Irrsinn an die Wand klatschen kann . . .

Zeitgemäßes Notensystem.jpg

"VOLUMINA" 

Kein Takt, kein Tempo, keine Noten: man muß die Würmer zählen . . .

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"VOLUMINA"  als Rauhfaser-Tapete

Das Quantum Irrsinn an die Wand klatschen.

Lassen wir das Cluster-Genie über seine Würmer-Partitur reden. Er schreibt: „Die neue Spieltechnik verlangte nach Ausarbeitung einer neuen, dieser Technik adäquaten Notation. Sie umfasst neben Spielanweisungen auch graphische Zeichen, die nichts mit der herkömmlichen Notation zu tun haben, und sie ist ein präziseres Informationsmittel für die neue Orgeltechnik als das traditionelle Notensystem.“
Richtig! Wer wollte in Noten setzen, wo Unterarme und Hände fünf Oktaven niederdrücken, Handflächen die Tasten wischen, wie die Putzfrau den Kühlschrank, der Ellenbogen ausfährt, frei ins Blaue ein paar Tasten zu treffen, Fäuste und Füße dynamische Cluster abklopfen . . .

Das traditionelle Notensystem spiegelt die Musik, nicht eine Art Ochsensport an der Orgel wieder, bei dem das Gehirn stille steht. Aber damit ist alles erklärt: Ligeti fordert nicht den Intellekt. Das Vieh an den Manualen ist gefragt. Er will den Menschen auf allen vieren an der Orgel begaffen . . .

Ich könnte die schauerliche Psychologie aufdecken, die hinter Volumina steckt. — Warum aber die heiteren Pointen durch Analysen verderben, den lustigen Narren ihr Gaudium kürzen, wenn der Spaß mehr Wert ist, als die Untersuchung wert ist . . .

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Die Ordensschwestern sind entsetzt: Ochse Max weigerte sich, zur Ankunft des Papstes Ligetis Volumina in die Orgel zu treten . . .

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